MAM #10 John M Armleder, Christoph Dahlhausen

STRANGE AND CHARME

Nonchalant hängt eine Fahne von der einen Wand des Ausstellungsraumes herab. Auf der gegenüberliegenden Seite lehnt ein merkwürdiges, mit blauen, relativ schwachen Leuchten bestücktes Baugerüst. Ein hochglänzendes monochromes Aluminiumtafelbild hängt neben der Fahne und ein knallrotes rundes Objekt ruht auf einem kleinen Sockel.

Modern Art Mosel zeigt in seiner ersten Ausstellung im Jahr 2022 zwei international anerkannte Künstler verschiedener Generationen und Prägungen, den in Genf lebenden JOHN M ARMLEDER, 1948 geboren, und den in Bonn und Melbourne lebenden CHRISTOPH DAHLHAUSEN, Jahrgang 1960. So unterschiedlich ihr Werk auf den ersten Blick erscheint, verbindet die beiden viel.

Duale bzw. dialogische Aspekte sind ein wesentliches Thema der Ausstellung, deren Titel sich auf Namen von Elementarteilchen, sog. Quarks, bezieht. Strange Quarks und Charme Quarks sind in gewisser Weise entgegengesetzte Teilchen. Diese unteilbaren, kleinsten Bausteine aller Dinge sind nach Goethes Faust: das, »was die Welt im Innersten zusammenhält«. Mit einem leichten Augenzwinkern wird hier die Kunst als Elementar-Teil der Welt gesehen.

Das Leichte, fast Schwebende begegnet dem Harten und Schweren, das Helle dem Schwarzen, das sich permanent Bewegende und Flüchtige dem von einer langen Geschichte erzählenden Raum.

JOHN M ARMLEDER, früh von der Fluxusbewegung geprägt, gilt als einer der wichtigsten Konzept-, Objekt- und Performancekünstler der Gegenwart. Armleders Kunst ist häufig mit einem gehörigen Maß an Humor und Ironie verbunden. Er verwendet oft Alltagsgegenstände, die er neu kontextualisiert, auch indem er frühere Werke in einen neuen geänderten Zusammenhang bringt.(1) Die Verbindung von aus der Kunstgeschichte vertrautem Formenvokabular mit Alltagsgegenständen ist eine wiederkehrende Arbeitsweise des Schweizers. Die hier präsentierte Arbeit ›untitled‹, eine 3 x 2 m große Fahne stammt aus dem Jahr 1988. Armleder verwendet das sowohl in der Konkreten Kunst, als auch häufig auf Länderfahnen verwendete Motiv des Kreises, pervertiert es aber durch seine Redundanz und reduziert es so zum Muster. Das rote Objekt, ein alter italienischer Design-Bettheizkörper, holte Armleder aus dem Warenhaus in die Kunstwelt hinein, nobilitierte ihn durch den neuen Kontext. Eine von Armleders typischen furniture sculptures entstand.

CHRISTOPH DAHLHAUSEN wurde stark beeinflusst von der Konzeptkunst, Minimal Art und dem Radical Painting der 1980er Jahre. Für seine Gerüst-Licht-Installationen wurde er 2014 in die Finalistenrunde des First International Light Art Awards kuratiert. Handelsübliche Gerüststangen, denen man ihre Benutzung auf Baustellen ansieht, de-funktionalisiert er, baut eine unsinnig erscheinende Konstruktion, die vermeintlich nur der Halterung von hellblauen Leuchtstäben dient (Leaning Picture 2022). Stahlstruktur und Lichtsetzungen treten in einen Dialog, der abhängig von der Tageszeit und dem Tageslicht die Stangen in den Hintergrund und das Licht in den Vordergrund treten lässt. Die lapidar angelehnt scheinende Licht-Arbeit changiert zwischen Skulptur, Wandobjekt, Zeichnung und Malerei. Wie Armleder greift Dahlhausen nach Materialien aus der Welt außerhalb der Kunst und bewertet sie neu. Das Material des monochromen Tafelbildes, eine Aluminium-wabenplatte, stammt aus dem Flugzeugbau. Beide Künstler lieben die Offenheit und legen sich ungern fest, wie ihre Arbeiten gelesen werden könnten. Vielfältige Bezüge entstehen, die das zusammengebrachte, um mit Armleder zu sprechen, »neu aufladen«.(2)

Das Ausstellungsprogramm ist Teil des Kultursommers Rheinland-Pfalz 2022 und wird unterstützt aus Mitteln des Programms Neustart Kultur des Bundesverbands Soziokultur.

1 https://de.wikipedia.org/wiki/John_M._Armleder#cite_note-2

2 http://www.frankfurt-live.com/poetisches-und-ironisches-zur-kunst-112998.html

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